Slingshot-Consulting – Unternehmensberatung auf den Punkt

Unternehmensberatung für Digitalisierung

Slingshot-Consulting – Unternehmensberatung auf den Punkt

Unternehmensberatungen und Consultants gibt es unübersichtlich viele. Hier möchte ich eine Sicht auf die Aufgabe des Beraters mit dem Unternehmen anbieten, die eine sinnvolle Auswahl des Partners erleichtert. Meist ist die eigentliche Aufgabe, ein Unternehmen bei der Lösung anstehender Aufgaben oder Probleme zu unterstützen, damit sie sich danach erneut selbständig behaupten können, ohne den Berater langfristig weiter beauftragen zu müssen. Das beauftragende Unternehmen deckt also nur einen kurzfristigen Bedarf ab, da es bei einem abzusehen langfristigen Bedarf für die Organisation besser ist, die Expertise oder Unterstützung fest zu integrieren.

In der Praxis scheinen jedoch viele Anbieter von Beratungsleistungen genau das Gegenteil zu verfolgen. So werden nicht nur immer weiter verlängerte Beratungsverträge angestrebt, sondern häufig auch noch der Versuch unternommen, weitere Mitarbeiter des Beratungsunternehmens beim Kunden zu platzieren, die regelmäßig Aufgaben übernehmen, die später fester Bestandteil des Betriebes werden, ohne jedoch eigene Mitarbeiter dafür aufzubauen. So entwickeln sich Aufträge zu einer konkreten Problemlösung schnell zu langfristigen Abhängigkeiten, bei denen das neue Know-How nicht im Unternehmen, sondern beim Beratungsunternehmen entsteht und einen Ersatz der fremden Mitarbeiter schwierig bis unmöglich macht.

Grundsätzlich sind mehrere Geschäftsmodelle für die Beratung oder Unterstützung von Unternehmen zu betrachten. Zum kurzfristigen Überbrücken von Personalengpässen können Agenturen Mitarbeiter vorübergehend im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung zur Verfügung stellen, wenn die auszuführenden Aufgaben beispielsweise durch Standardisierung keine längere Einarbeitung erfordern oder das Ende des Bedarfs wie etwa zu Projektende abzusehen ist. Werden im Zuge der Problemlösung neue Bereiche oder Prozesse im Unternehmen eingeführt, helfen Personalvermittler bei der Auswahl geeigneter Mitarbeiter, die im Rahmen des Projektes aufgebaut und später fest ins Unternehmen integriert werden können. Ist der Betrieb der neuen Komponenten oder Prozesse zu kompliziert, um später im Betrieb vom Unternehmen selbst abgebildet zu werden, lagert man diesen Bereich gerne vollständig aus und lässt ihn von einem Partner oder Zulieferer vollständig extern betreiben, kauft also die gesamte Leistung zu. Schließlich gibt es noch das extern vergebene Projekt, das eine einmalige Veränderung zu einem im Voraus definierten Ziel hin unterstützt und im Idealfall bei dessen Erreichen alle Mittel und Prozesse wieder in die Hoheit des beauftragenden Unternehmens zurückgegeben hat.

Geht man davon aus, dass es die Aufgabe einer Organisation ist, sich so aufzustellen, dass die eigenen Prozesse aus sich selbst heraus getragen werden können und dass die Organe in der Lage sind, den Zweck des Unternehmens zu erfüllen, wäre eine langfristig im Unternehmen vertretene Unternehmensberatung mit einem extern angeschlossenen künstlichen Organ zu vergleichen – ein Zustand, der zwar das Überleben des Patienten sichert, solange es funktioniert, ihn aber nicht dazu in die Lage versetzt sich selbständig zu bewegen.

Wie kann also eine Unternehmensberatung aussehen, die Unternehmen hilft, sich zu entwickeln und dennoch autark zu bleiben? Ein aus meiner Sicht passendes Bild ist der in der Raumfahrt eingesetzte ‘Gravity Assist’, der auch als Slingshot-Manöver bekannt ist. Hierbei wird ein Raumfahrzeug nah genug an einen Planeten heran gesteuert, um mit Hilfe seiner Anziehungskraft und Bewegung im Raum zu beschleunigen. Mit einer Kette solcher Swing-bys an Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun vorbei, gelang es der NASA die Sonde Voyager2 aus unserem Sonnensystem hinaus zu katapultieren.
Überträgt man dieses Bild auf ein Unternehmen, seine Interaktion mit einer Unternehmensberatung und die sich daraus ergebenden Konsequenzen, zeichnen sich einige Parallelen ab. Ähnlich wie ein interplanetarisches Manöver, bedarf auch die Zusammenarbeit mit einem Berater einer präzisen Routenplanung. Es muss festgelegt sein, zu welchem Zeitpunkt das Unternehmen sich in den Bereich des Beraters begibt und wann es sich wieder von ihm löst. Der Berater nimmt hierbei die Rolle des Planeten ein, der mit seiner stetigen Bewegung und Gravitation, also dem Vorsprung an Expertise auf seinem Gebiet und der Möglichkeit auf die Organisation einzuwirken, dem Unternehmen ermöglicht, sich für eine definierte Zeit helfen zu lassen, um danach beschleunigt, aber alleine weiter fliegen zu können und den Berater weitestgehend unverändert in seiner Umlaufbahn zurück zu lassen.

Es gibt also eine Planungsphase, in der der Slingshot mit allen Beteiligten vorbereitet wird, damit jeder im Unternehmen weiß, ab wann für wie lange und mit welchem Ziel mit einer Beratung zusammengearbeitet wird. Darauf folgt der eigentliche Assist, in dem die Organisation immer enger mit dem Berater zusammen arbeitet und Fahrt aufnimmt, sich – je nach vereinbarter Höhe des Vorbeifluges – mehr oder weniger in die Hände des Beraters gibt und den Anweisungen des Beraters flexibel folgt und dabei selbst lernt. Auf dem Höhepunkt der Beschleunigung löst sich das Unternehmen wieder vom Consultant und übernimmt erst langsam, dann immer schneller wieder die vollständige Kontrolle über ihre Prozesse. So kann es mit Abschluss des Projekts die Reise mit neuem Kurs und neuer Geschwindigkeit, aber auf sich gestellt fortsetzen, ohne weiterhin mit dem Beratungsunternehmen verbunden zu sein.

Unter diesen Voraussetzungen steht das Unternehmen nach jedem Beratungsprojekt wieder vollständig auf eigenen Beinen und kann für die nächste Entwicklung zu gegebener Zeit eine weitere Beratung zum Beschleunigen nutzen, ohne sich je dauerhaft abhängig zu machen.

Auch die möglichen Risiken einer Unternehmensberatung sind mit denen eines Slingshots zu vergleichen. Reicht beispielsweise die vorhandene Lösungskompetenz des Beraters nicht aus, entspricht das dem Versuch ein Raumfahrzeug um einen kleinen Stein herum zu beschleunigen, was zur Konsequenz hätte, dass sich im Unternehmen nichts Wesentliches ändern kann, sondern im Gegenteil der Berater quasi auf das Raumschiff stürzt und fortan mitfliegt. Wenigstens so lange, bis er als unnötiger Ballast erkannt und von Bord geworfen wird. Lässt man sich zu sehr vom Consultant vereinnahmen, war der Vorbeiflug zu nah und die Ablösung funktioniert nicht mehr. Das Unternehmen ist von der Anziehungskraft im Orbit der Unternehmensberatung eingefangen. Von da ab kontrolliert die Beratung die Geschicke zur Firma – bis hin zum kontrollierten Absturz auf der Oberfläche, wenn nichts mehr zu verdienen ist. Dieses Risiko wächst mit zunehmender Größe des Beratungshauses – ein Swing-by um ein schwarzes Loch ist nur eine begrenzt gute Idee, wenn man vorhat, sich auch wieder zu lösen und weiterzufliegen. Das vermutlich größte Risiko ist, bereits bei der Planung nicht die erforderliche Sorgfalt an den Tag zu legen und den kontrollierten Vorbeiflug zu verpassen. So investiert man im schlimmsten Fall also in eine Beratung, die zwar auf irgendeine Weise mit dem Unternehmen interagiert, sie aber nicht wie vom Unternehmen beabsichtigt voran bringt, sondern vielleicht sogar ausbremst oder einfach gar nichts bewirkt. Für diesen Fall lohnt es sich auch, für einen “powered Slingshot” schon zu Beginn der Reise ausreichend Raketentreibstoff an Bord genommen zu haben, um sich in der kritischen Phase der Ablösung aus dem Gravitationsfeld befreien zu können – beispielsweise, indem man schon neue Mitarbeiter einplant, die rechtzeitig die neuen Aufgaben übernehmen, die in der heißen Phase zunächst von Consultants wahrgenommen werden.

Möchten Sie also in nächster Zeit einen Berater für eine neue Entwicklung oder schlicht das Fortbestehen Ihres Unternehmens in einem sich stetig wandelnden Markt beauftragen, weil Sie die erforderlichen Fähigkeiten noch nicht selbst im Unternehmen haben, empfehle ich Ihnen, sich einen Berater zu suchen, der Ihnen ein “Slingshot-Consulting” anbieten kann.

In jedem Fall bietet es sich an, jemanden ausschließlich damit zu beauftragen, die ordnungsgemäße Planung und Durchführung einer Unternehmensberatung sicherzustellen, der an der Leistung selbst nicht beteiligt ist – quasi ihr eigenes Raumfahrt-Kontrollzentrum für den Swing-by an einem großen Planeten.